Rituale und Tänze
Reinigungszeremonien
Die Welt,
das Leben, die Empfindungen der Indianer ja eben alles, was um sie herum
passierte, war von Geistern erfüllt. Jeder Indianer hatte seinen persönlichen
Schutzgeist. Einen mächtigen Schutzgeist hatten die Schamanen. Durch ihre Riten
beschwörten sie die Geister und baten z. B. um eine gute Ernte, um die Kraft
Krankheiten zu heilen oder auch um sich für besondere Gaben zu bedanken.
So hatte jeder Stamm seine eigenen Riten. Meist wurden sie durch Tänze und Gesänge
begleitet, zu denen mit Trommeln und Rassel tolle Klänge erzeugt wurden. Die
Indianer schmückten sich mit Federn von Vögeln, besonders mit Federn des
Adlers - er war eine Art heiliges Wappentier - aber auch mit Federn vom Kranich
oder der Elster. Weiter schmückten sie sich mit Tierhaaren oder Tierköpfen,
sie trugen Masken und Kleidung die ebenfalls besonders verziert waren, z. B. mit
Bommeln, Lederfransen, Glasperlen und sie bemalten auch ihre Körper mit Farben,
die sie aus Pflanzen und Mineralien gewannen oder benutzten farbigen Sand und
auch Blut.
Der Sonnentanz - Sun Dance

Dieses Fest wurde besonders von den Prärieindianern gefeiert, welches den Sinn
hatte, dem Großen Geist für seine Hilfe zu danken und um den Segen für die
bevorstehende Jagd zu bitten. Die Stammesangehörigen trafen sich zur
sommerlichen Bisonjagd. In der Mitte, einer eigens für diesen Zweck gebauten
Sonnentanzhütte, stand ein gegabelter heiliger Baum. Dieser Pappelpfahl wurde
von einem tapferen Krieger ausgesucht und von einer tugendhaften Frau gefällt.
Die ersten vier Tage wurden mit Fasten, Schwitzen und Klausurriten verbracht. Da
die Tänzer in diesen Tagen keine Speisen zu sich nahmen verfielen sie schließlich
in Ohnmacht und bekamen Visionen.
Die
Dakota und Schwarzfußindianer bemalten Bisonschädel, schmückten ihn mit Gras
und Salbei und hängten ihn an den Pfahl.
Die Dakota fertigten auch Symbolfiguren eines Mannes (Feind) und die eines Büffels
an. Auch sie hängten an dem Pfahl und wurden durch die Tänzer mit Pfeilen
beschossen.
Bei den Crow wurde der Sonnentanz von jemandem ausgerichtet, welcher Rache für
den Tod eines Verwandten nehmen wollte. Dazu wurde nach alten Überlieferungen
eine Puppe angefertigt und an den Pfahl gehängt. Diese Puppe sollte ihm seine
Rache sichern.
Bei den Schwarzfußindianern stand eine heilige Frau im Mittelpunkt des
Geschehens. Derjenige, der das Fest ausrichtete,
kaufte ein Natoasbündel und überreichte es der heiligen Frau. Dieses Bündel
enthielt Farben für die Gesichtsbemalung, Rasseln, einen Kopfschmuck und einen
Grabstock.
Die Tänzer der Sioux unterzogen sich einer Selbstfolterung. An Brust und Rücken
wurden Lederriemen mittels Pflöcken befestigt. Die Lederriemen waren am oberen
Ende des heiligen Pappelpfahls befestigt. Einige tanzten zur Musik oder wurden
am Baum aufgehängt und schwankten bis sich die Pflöcke aus der Haut rissen.
Wegen diesem Selbstfolterungsrituals wurde der Sonnentanz 1910 vom BIA (Bureau
of Indian Affairs) verboten, obwohl nicht alle Stämme dieses Ritual vollzogen.
Die Kiowas lehnten es sogar ab.
Spießrutenlaufen
Kamen die Krieger der Ojibwas und Ottawas von ihren Kämpfen heim und brachten
Gefangene mit, wurden diese heftig geschlagen. Frauen und Kinder bildeten eine
Gasse und schlugen mit Ruten auf die Gefangenen ein. Sie fielen immer wieder zu
Boden, mußten aber wieder auf die Beine um durch diese Gasse zu rennen. Die Jüngeren
von ihnen waren flink und konnten dieser Tortur schneller entfliehen. Sie wurden
meist Sklaven. Aber die Älteren wurden so oft von der schlagenden Menge
getroffen, daß sie sehr stark bluteten. Anschließend ereilte sie der Feuertod.
Fest der Toten
Bei den Huronen ist es üblich die Toten auf ein Bestattungsgestell sage und
schreibe 12 Jahre liegen zu lassen. Bei diesem Fest werden dann die Gebeine in Säcke
geladen und zu einer bestimmten Bestattungsstätte getragen. Dort wird ein Feuer
entzündet, wo Pelzhäute ausgebreitet und Maiskörner und Geschenke über die
Gebeine gestreut werden.
Schwitzhütte
Bei uns eher als Sauna bekannt, wurde bei den Indianern eine Hütte aus Ästen
gebaut und mit Decken, Grassoden oder Häuten bedeckt. Sie war halbrund und
gerade so hoch, daß ein Mann darin sitzen konnte. Auf einem Feuer erhitzte man
Steine. Goß man nun Wasser über sie entstand der gewünschte Dampf. Der Sinn
war die innere und äußere Reinigung des Körpers während der Indianer
bestimmte Riten absolvierte. Und da nun Abkühlung angesagt war, wältzte er
sich im Schnee oder sprang in kaltes Wasser.
Schlangentanz - Snake Dance

Dieser Tanz wurde alle 2 Jahre im August von den Hopi-Indianern zelebriert. Er
dauerte 9 Tage und sollte die Schlangengötter gnädig stimmen Regen und eine
gute Ernte zu bescheren. Dazu wurden viele Klapperschlangen von den Frauen mit
Maismehl bestäubt, um dann anschließend von den Männern sogar in den Mund
genommen zu werden, die auch noch dabei tanzten. Immerhin handelte es sich um
Klapperschlangen. Sie wurden mit verschiedenen Übungen und Riten in die
Freiheit entlassen, in der Hoffnung, daß mit ihnen auch der Regen zurück
kommem würde.
Geistertanz-Bewegung - Ghost Dance Movement

Diese Bewegung wurde von Wovoka, Angehöriger der Paiute, um 1888 gegründet. Er
behauptete, der von Gott gesandte Messias der nordamerikanischen Indianer zu
sein und verkündete seine Botschaft von der Erneuerung der Erde durch ein
Erdbeben im Frühling. Diese Botschaft lautete etwa so: "Die Toten kehren
aus der Geisterwelt zurück, ebenso die Bisons, Mustangs, Biber und Antilopen,
es gibt keine Krankheiten, kein Elend, die Weißen werden verschwinden, niemand
soll verletzt werden." Er ernannte 11 Apostel verschiedener Stämme, welche
die Botschaft und den Tanz in ihren Stämmen verkünden und je 7 Priester
ernennen sollten. Innerhalb der Plainsstämme verbreitete sich diese religiöse
Kunde sehr schnell und wurde auch umgesetzt. Viele warfen ihre Waffen und alle
Gegenstände aus Metall fort. Gerade zu fanatisch wurde getanzt und gesungen bis
sie wieder in Trance fielen. Die Bedeutung des Gesanges in der Sprache der
Sioux:
| Ateyapi kin | Und so sagte der Vater, |
| Maka owancaya | Ich gebiete nun, |
| Lowan nisipe-lo | allen auf Erden zu singen |
| Heya-po | jetzt zu singen |
| Oyakao-he! | so hat er gesprochen! |
| Oyakapo-he! | Und verbreitet die Botschaft! |
| Ina, hekuye! | Mutter, komme zurück! |
| Ina, hekuye! | Mutter, komme zurück! |
| Misunkala ceya-ya omani, | Kleiner Bruder weint, wenn er dich sucht, |
| Misunkala ceya-ya omani, | Kleiner Bruder weint, wenn er dich sucht, |
| Ina, hekuye! | Mutter, komme zurück! |
| Ina, hekuye! | Mutter, komme zurück! |
| Ate heye-lo, | sagte der Vater |
| Ate heye-lo, | sagte der Vater |
| He, he, wanna wawate, | He, he, fröhlich wollen wir jetzt feiern, |
| He, he, wanna wawate, | He, he, fröhlich wollen wir jetzt feiern, |
| Wasna watinke, | und Pemikan essen, |
| Wasna watinke! | und Pemikan essen! |
Ein bitteres Ende nahm der Geistertanz der im Oktober 1890 begann. Es fing mit der dramatischen Geste Sitting Bulls - Häuptling, Schamane und Seher der Hunkpapa-Sioux - an. Er zerbrach seine Friedenspfeife, die er 9 Jahre aufbewahrt hatte. Ein Indianeragent fragte warum er dies getan hat und er antwortete:" Ich möchte sterben! Ich möchte kämpfen!" Aus Furcht den Indianern gegenüber kam es dann am 15.12.1890 zur Verhaftung der Geistertänzer. Diese versuchten zu flüchten und schafften es bis zum Wounded Knee River. Leider vergebens, denn sie wurden dort durch Kanonenfeuer umgebracht. Sitting Bull wurde schon während der Verhaftung erschossen. Nach diesem Massaker verbot die US-Regierung den Geistertanz. Allerdings wird er von einigen Stämmen mit rein spiritueller Bedeutung fortgeführt.
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