Die Puebloindianer

 (von spanisch pueblo: Dorf)

Bezeichnung für Indianervölker im Nordwesten New Mexicos und im Nordosten Arizonas (USA). Ihren Namen erhielten sie aufgrund ihrer aus Stein- und Lehmhäusern bestehenden Dorfanlagen. Die Puebloindianer gehören zu vier verschiedenen Sprachfamilien, doch ihre Kulturen sind eng verwandt. Heute gibt es noch etwa 50 000 von ihnen.

 

 

 

 

 

 


Die östlichen Puebloindianer die am Oberlauf des Rio Grande bei Santa Fe und Albuquerque beheimatet sind, sprechen eine Tanao- bzw. Keres-Sprache. Die Keres sprechenden Acoma und Laguna gehören zusammen mit den Zuñi und den Hopi zu den westlichen Puebloindianerstämmen. Die Sprache der Zuñi, die 1700 in ein Pueblo im äußersten Westen New Mexicos zogen, ist mit keiner anderen Indianersprache verwandt. Die Sprache der Hopi gehört zur utoaztekischen Sprachfamilie.

Kulturelle Wurzeln


Die Puebloindianer verdanken ihre Lebensweise der prähistorischen Anasazi-Kultur (ein Navajo-Wort, das die Alten bedeutet). Zwischen 100 v. Chr. und 500 n. Chr. entstanden im Nordwesten prähistorische Siedlungen aus Höhlen bzw. Lehmhütten. Von hier aus gingen die Anasazi auf die Jagd, sammelten Wildpflanzen und bauten als Ergänzung Kürbisse und Getreide an. Lebensmittel wurden in Erdgruben mit Steinplatten frisch gehalten. Zwischen 500 und 700 n. Chr. begannen Landwirtschaft und Tierzucht die Jagd und das Sammeln von Wildfrüchten zu verdrängen. Die Lagergruben wurden zu halbunterirdischen Behausungen und Zeremonienkammern umfunktioniert. Die Gebäude des Pueblos erhielten allmählich ihre heutige Form.

Um 700 n. Chr. begannen die Anasazi, mit Stein zu bauen. Die nunmehr überirdischen Häuser wurden größer. Aus der Zeremonienkammer entstand die Kiwa, ein unterirdischer Raum, der für Rituale benutzt wurde und zusätzlich als Männerhaus diente. Die Indianer bauten verschiedene Getreidearten an, vermutlich auch Baumwolle. In diese Zeit fallen die wichtigsten Gebietsvergrößerungen der Anasazi, deren Territorium nun bis weit nach Utah hineinreichte und sich bis in den Süden Colorados und nach Nordmexiko erstreckte.

In ihrer klassischen Periode (1050-1300) gründeten die Puebloindianer mehrstöckige Dörfer und solche in Felsnischen. Am Ende dieser Epoche wurden viele der großen Pueblosiedlungen, möglicherweise aufgrund von Dürreperioden oder wegen Angriffen der Navajos und Apachen, wieder aufgegeben. In der so genannten restaurativen Periode (1300-1700) entstanden viele der noch heute bewohnten Pueblos.

 

Ein typisches Pueblo




Vom 16. zum 20. Jahrhundert


1539 stieß der spanische Missionar Marcos de Niza als erster der Kolonisatoren auf Puebloindianer, vermutlich Zuñi. 1598 dann besetzten die Spanier das Land. Um 1630 wurden in fast allen Pueblos Missionsstationen eingerichtet. Durch einen Massenaufstand der Puebloindianer 1680 konnten die Spanier zunächst vertrieben werden. Doch 1692 kamen sie zurück und reduzierten die Zahl der Pueblos von 80 auf 30. Allerdings wurden nur wenige der Missionen wieder aufgebaut, so dass die meisten Puebloindianer ihre alte Religion beibehielten. Bis zum Ende des Amerikanisch - Mexikanischen Krieges (1848) wurden die Puebloindianer von spanischen und mexikanischen Regierungen verwaltet. Anschließend wurden sie den USA unterstellt. Trotz dieser Fremdherrschaft gelang es den Puebloindianern, ihre Traditionen zu bewahren. Besonders die westlichen Dörfer widersetzten sich erfolgreich dem spanischen Einfluss, während die Pueblos im Osten einige spanische Elemente in ihre Kultur integrierten.


Lebensweise und Kultur


Die heutigen Pueblos bestehen aus Gemeinschaftshäusern. Die Räume sind quadratisch und mit dicken Flachdächern gedeckt. Die Geschosse liegen terrassenartig übereinander: Die Dächer der einzelnen Ebenen können von der darunterliegenden Ebene über Leitern erreicht werden. Ins Innere der Gebäude gelangt man durch Falltüren in den Dächern. Lange Zeit besaßen die Außenwände der Häuser weder Türen noch Fenster: Ursprünglich diente dies dem Schutz vor Feinden. Heute allerdings gibt es Glasfenster und Scharniertüren. Jedes Pueblo hat mindestens zwei Kiwas, mitunter auch mehr.

Die Gesellschaft der Puebloindianer ist in Clans unterteilt. Die Abstammung wird matrilineal, also nach der mütterlichen Linie, bestimmt. Die Frauen sind auch die Eigentümerinnen der Häuser. Die Poebloindianer praktizieren Monogamie und heiraten außerhalb des Clans. Auf Wunsch kann eine Ehe geschieden werden. Die wichtigsten religiösen Zeremonien, die von den Geheimgesellschaften ausgerichtet werden, die die Kiwas benutzen, finden zur Erntezeit statt. Sie bestehen vorwiegend aus Gebeten, mit denen für einen guten Ertrag oder für Regen gedankt wird. Besonders bei den westlichen Puebloindianern werden die Geister der Ahnen und andere gute Geister (die Kachinas) verehrt, von denen man glaubt, dass sie den Regen bringen. Bei den Ritualen verkörpern maskierte Tänzer die Geister. Außerdem erhalten die Kinder Puppen, die die Geister darstellen sollen. In manchen Pueblos im Osten sind die Bewohner in Sommer- und Wintermenschen aufgeteilt, die abwechselnd für die zyklischen Rituale verantwortlich sind.

 



Die Puebloindianer betreiben vorwiegend Landwirtschaft und Viehzucht. Einige leben vom Verkauf handgefertigter Produkte (Keramik, Körbe, gewebte Tücher). Die Dorfbewohner bewirtschaften die Felder gemeinsam. Vorwiegend werden Getreide, Bohnen, Baumwolle, Melonen und Kürbisse angebaut. Die Männer verrichten die Feldarbeit, weben und führen die Zeremonien aus. Die Frauen bereiten das Essen zu, versorgen die Kinder, flechten Körbe und töpfern. Der Hausbau wird oftmals gemeinsam ausgeführt.

Jede Pueblogemeinschaft hat bei der Korbflechterei eine eigene Technik und einen eigenen Stil entwickelt. Die Keramik der Puebloindianer ist besonders reich verziert.

 

Niedrige Einkünfte, eine unzureichende Gesundheitsfürsorge, schlechte Schulausbildung und die hohe Arbeitslosenquote unter den Puebloindianern haben im 20. Jahrhundert verstärkt zu sozialen Spannungen geführt. Gleichzeitig entwickelten sie in den letzten Jahren wieder ein stärkeres Traditionsbewusstsein.

Die Geschichte der Hopi 

 

Der Schöpfungsmythos

Der Schöpfungsmythos und die damit verbundene Einsicht in die Herkunft der Menschheit im allgemeinen und der Hopi im besonderen ist in sehr eindrücklicher und ausführlicher Art und Weise als geistiges Stammesgut erhalten. Das Wissen um diese Mythen und Legenden des Stammes und ihre Weitergabe an die Nachkommen stellt eine ganz wichtige Grundlage im spirituellen Leben der Hopi dar, weil dadurch eine tiefe Verwurzelung und Identifikation jedes einzelnen Stammesmitgliedes mit seinem Ursprung und auch mit seiner Aufgabe in der Schöpfung ermöglicht wird.

Der Schöpfungsmythos der Hopi berichtet, dass die Menschheit 7 Welten durchleben muß. In jeder dieser Welten wird den Menschen bestimmte Aufgaben gestellt, durch die sie in ihrer Reife und Treue geprüft werden sollen. Nur die, die reinen Glaubens sind, werden den Aufstieg in die nächste Welt erreichen und sind für die Aufgaben der Zukunft auserwählt. Nach traditioneller Vorstellung befinden wir uns gegenwärtig in der vierten Welt und sind an der Schwelle in den Aufstieg zur fünften Welt. Da die Hopi ein von der westlichen Welt völlig unterschiedliches Raum/Zeitverständnis haben (siehe :Sprache), darf man sie diese Weltendurchwanderung nicht nur im linear zeitlichen Sinne vorstellen, sondern es handelt sich vornehmlich wohl auch um eine qualitative Entwicklung im Bewusstsein der gesamten Menschheit und stellt wohl eine spiralige, zyklische Entwicklung nach "oben" in ein höheres Bewußtsein dar.

Die Legenden 

Die 4 Wanderungen

Beim Aufstieg in die 4. Welt wurden dem Volk der Hopi von ihrem Schutzgeist Massau genaue Anweisungen gegeben, in welcher Art und Weise die Wanderungen des Volkes in der neuen Welt durchgeführt werden sollen, wie sie dann ihr neues Zuhause finden und erkennen könnten und wie sie dort dann ihr Leben gestalten sollten. Jeder Clan mußte in die vier Himmelsrichtungen wandern, jeweils an den entferntesten Punkt, wo sich Land und Meer berühren. Dann durften sie an ihren Heimatort zurückkehren. Alle durchwanderten Pfade bildeten ein großes Kreuz, dessen Zentrum im heutigen Hopi-Land im Südwesten der USA liegt. Die Wanderungen der Clans ergaben Muster von immer enger werdenden Spiralen, die wir als Grundmotive bis zum heutigen Tag auf den Töpfer- und Korbwaren, auf den Katchina-Rasseln und Altartafeln der Hopi wiederfinden und die letztlich wohl den immerwährenden Zyklus des Lebens im Bauch der Mutter Erde wiederspigeln sollen. Über die Wanderungen der verschiedenen Clans und ihre Erlebnisse dabei wurden in vielen Geschichten ausführlich berichtet und entsprechend in jedem Clan an die Nachkommen überliefert.

Durch die Wanderungen sollte das heilige neue Land sozusagen magisch imprägniert und beschritten werden, um eine spirituelle Verbindung und Verschmelzung zwischen ihm und dem Volk der Hopi herzustellen. Ausserdem diente diese Aufgabe ebenfalls dazu, die tiefe Religiosität und Geradlinigkeit innerhalb der Clans zu erproben und zu festigen. All diese Anweisungen wurden in Symbolen vom Schutzgeist Massau auf vier heiligen Tafeln geschrieben, die er verschiedenen Clans übergab und die heute noch von diesen in heiliger traditioneller Pflicht aufbewahrt und weitergegeben werden.

Der Aufstieg in die verschiedenen Welten und die Wanderungen sind im Grund von solch tiefer Symbolik, daß man vermuten kann, dass die ganzen Überlieferungen eine große Allegorie der äußeren und inneren Entwicklung des Menschen zum Paradies hin darstellen. Das Ziel, die siebte Welt, mag wohl das reine und vollkommene Mutterland, das Paradies selbst, repräsentieren, das vorallem einmal zunächst im Inneren der Menschen selbst gefunden werden muß.

Bild: Symbole der Wanderung

Die heiligen Tafeln

Die erste Tafel übergab Massau (Masaw), dem Feuer-Clan. Sie ist etwa 10 cm groß und besteht aus dunklem Stein mit einer fehlenden Ecke. Die Symbolik auf der Tafel beschreibt eine Prophezeihung über die Entwicklung und Prüfungen des Feuer-Clans. Unterdrückung ihres Landes und ihres Lebens wurde ihnen vorausgesagt, doch sollten sie keinen Widerstand leisten, sondern auf die Person warten, die sie befreien sollte. Mit dieser Person war ihr verlorener Weißer Bruder Pahana gemeint, der von seinen Wanderungen aus dem Osten zurückkehren sollte mit dem fehlenden Stück der Tafel und sie befreien sollte von allen Unterdrückungen, um dann eine neue und weltweite Bruderschaft der Menschen zu begründen.

Bild: Tafel des Feuer-Clans (Vorder- und Rückseite)

Dem Bären-Clan wurden drei weitere Steintafeln übergeben, denn der Bären-Clan sollte auf der vierten Welt der führende Clan sein. Die Symbolik auf diesen Tafeln geben Hinweise auf das Heimatland, in dem sich der Bären-Clan fest niederlassen sollte. Außerdem sind es symbolische Hinweise auf die Fühungsaufgaben des Bären-Clans und ihre spirituelle Funktion im Kreislauf der Natur.

            

Bild: Die 3 Tafeln des Bären-Clans (Vorder- und Rückseite)

 

Der magische Wasserkrug

Massau, der Schutzgeist der Hopi, übergab jedem Clan, der sich auf die spirituelle Wanderschaft begab, einen kleinen Wasserkrug, der, an jedem Rastplatz in die Erde eingegraben, für einen ständigen Wasservorrat sorgte. So gab es auf dieser Wanderschaft rituelle Wasserträger, die für diese Aufgabe besonders ausgewählt wurden. Am Heimatort angelangt, sollte dieser Krug in der Nähe jedes Dorfes eingepflanzt werden, um dadurch Wasser vom fernen Meer anzuziehen, um das Volk der Hopi stets mit unerschöpflichem Wasser zu versorgen. Das Wissen um die Macht dieses Kruges war wohl auch eine religiöse Säule, die es den Hopi möglich machte, geduldig und demütig auch inmitten unwirtlichster Wüstengegenden ihre Heimat zu begründen.

 

 

Der verlorene Große Weiße Bruder

Im Zusammenhang mit den Legenden und auch den Prophezeihungen der Hopi taucht immer wieder das Bild des Großen Weißen Bruders, Pahana, auf, der, wenn die Zeit reif ist, und auch die Not im Volk der Hopi am größten ist, aus dem Osten zurückkehren werde zu seinem Kleinen Bruder. Viele Legenden und Geschichten ranken sich um diesen Pahana, der vor sehr langer Zeit loszog, zur Zeit der großen Wanderungen, um seine Mission und seinen Auftrag in Richtung der aufgehenden Sonne zu erfüllen. Die Rückkehr des Pahanas sollte dazu bestimmt sein, die Rechtschaffenheit und Unschuld des heiligen Volkes der Hopi und ihres heiligen Landes zu schützen und die Erde wiederum zu reinigen von all den Zerstörungen, der zerstörerischen Menschen und ihrer zerstörerischen Handlungen und Gedanken. Die Rückkehr des Pahana wird gleichgesetzt mit einer großen Reinigung, die der Erde und der Schöpfung einen Neuanfang ermöglicht und eine neue Lebensordnung schaffen wird, in der die Menschen wieder in liebevoller Eintracht mit der sie umgebenden Natur leben können.

Die Legende vom Großen Weißen Bruder ist ein zentrales Kernthema der Prophezeihungen und der Friedensbotschaft der Hopi, die seit vielen Jahrzehnten von traditionllen Hopi-Sprechern auf der ganzen Welt verbreitet wird, um die Menschen zur Besinnung zu bringen und sie zu einem bewußteren und liebevolleren Umgang mit sich und der ganzen lebendigen Welt aufzurufen.

Bild: Mutter-Erde-Symbole - Labyrinth

Hopi - Spiritualität

Spiritualität und Religiosität dürfen wohl die wichtigsten Grundelemente im Leben des Volkes der Hopi sein. Da heraus entwickeln sich erst alle anderen Phänomene, die wir dann als die Kultur dieses Volkes bezeichnen können. Die spirituellen Dimensionen der Hopi finden sich vor allem in ihrer Grundeinstellung zum Leben, zur Schöpfung und zur Wirklichkeit. Sie wird bestimmt von Liebe und Demut zu allem Lebendigen und der Einsicht, daß wir Menschen im großen Kreislauf der Schöpfung den Lebensgesetzen untergeordnet sind, wir aber dennoch heilige Aufgaben zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und der Harmonie im Universum haben.

Die Natur ist durchzogen von vielerlei Wesenheiten und Geistern. Den Kontakt und die Freundschaft zu ihnen zu pflegen, sie zu verehren und sie aber auch um Schutz und Hilfe zu bitten umfaßt einen großen Teil des sehr umfangreichen zeremonialen Lebens der Hopi. Diese Zeremonien sind fest mit dem täglichen Leben verbunden, ja sind ein fester Bestandteil des Lebens selbst. Der Jahreskreis der Hopi umfaßt neun große Zeremonien, die entsprechend der Phase des Mondes und der Sonnenwenden festgesetzt sind. Viele der Zeremonien versuchen die Harmonie mit der Natur beizubehalten oder zu verbessern, beinhalten aber auch Bitten um Fruchtbarkeit und Regen. Die rituellen Tänze erneuern jedes Jahr immer wieder die Lebensmuster und die Verbindung, die das Volk der Hopi mit seinem Land, also mit der Mutter Erde, hat. Diese Zeremonien werden von unterschiedlichen Clans abgehalten, die auch für eine korrekte und unveränderte Form des Rituals veranwortlich sind. Durchgeführt werden die Zeremonien in der sog. "Kiva", einem unterirdischen, runden Zeremonialraum, der durch einen Durchbruch in der Decke mit der Welt des Himmels verbunden ist. Symbolisiert werden soll hierbei die Verbindung von Mutter und Vater, das Immer-wieder-geboren-werden des Menschen aus der Mutter und außerdem wird der Übergang in verschiedene Bewußtseinsebenen und Welten dadurch symbolisch dargestellt und eingeleitet. Neben den zeremonialen Festen errichten und pflegen die Hopi heilige Schreine auf speziellen traditionellen heiligen Plätzen ihres Landes. Festgelegte Gebete und Rituale an diesen Plätzen haben ebenfalls die Aufgabe, das Gleichgewicht immer wieder herbeizuführen und dadurch die Erde vor Zerstörung und Untergang zu bewahren. So kommt es zu einem ständigen Geben und Nehmen zwischen den Menschen und den Kräften der Schöpfung, die nur durch eine demütige Einordnung in diese Kreisläufe möglich wird.

Bild: Eingang der Schlangenkiva in Walpi. Die Leiter symbolisiert den Übergang aus dem Schoß der "Mutter Erde" in die nächste Welt

 

Die Verehrung der Ahnen und die traditionelle Bewahrung um das Wissen der eigenen Wurzeln und der eigenen Geschichte haben einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Hopi. Die Initiation in dieses sehr komplizierte und ausfüllende spirituelle Leben der Hopi beginnt schon sehr früh und wird bei den Kindern im frühen Kleinkindalter durch das Erzählen von Mythen und Legenden des Stammes und durch Verwendung von Initiationsfiguren und Puppen (Katchinas, siehe in Abschnitt Kunst) eingeleitet. Die Übernahme und richtige Ausführung von Ritualen und Zeremonien schaffen in den Clans bestimmte zeremoniale Hirarchien und Ordnungen, in die sich jedes Stammesmitglied respektvoll einordnet. Ein Aufstieg in dieser Hierarchie wird als hohe Ehre betrachtet. Die spirituellen Aufgaben und Rituale stellen die Basis für alle Handlungen und Bewegungen im täglichen Leben dar.

Die Mutter Erde als die immerwährende und gebende Ernährerin des Stammes und Vater Himmel, repräsentiert vor allem im großen Schutzgeist Massau, sind die beiden großen Kräfte, in deren Händen das Volk der Hopi als ihre Kinder getragen und beschützt wird. Ihnen gebührt die größte Ehre und Liebe in diesem spirituellen System.

 

Hopi - Sprache

Die Art des Denkens und Sprechens ist in der Hopi-Sprache in einer sehr eindrücklichen Form verschieden von benachbarten Sprachfamilien: Die Hopisprache kennt keine Trennung von Raum und Zeit. Zeit spielt bei ihnen keine Rolle, sie existiert so auch in ihrer Sprache nicht, d.h. es existiert kein Wort für die Zeit als ein gleichmäßig fliessendes Kontinuum. Dieses Phänomen hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das tägliche Leben. Denn die Sprache gibt ja die Art und Weise wieder, wie unser Bewußtsein die Wirklichkeit erlebt und interpretiert. Bei den Hopi existiert z.B. ein ganz anderes Zeitgefühl als bei uns. Ihr Zeiterleben ist nicht linear, sondern wohl als ganze Wirklichkeit in zyklischen Bewegungen.

Die Hopisprache enthält keine Wörter, grammatischen Formen, Konstruktionen oder Ausdrücke, die sich direkt auf das beziehen, was wir "Zeit" nennen. Sie bezieht sich weder auf Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, noch auf Dauern oder Bleiben ...

Die wirklichen Phänomene dieser sehr aussergewöhnlichen Art und Weise, die Welt zu sehen und in der Sprache auszudrücken, werden sicher noch Inhalt vieler Beschäftigung sein müssen, denn so wie die Hopi ihre heiligen Orte vor neugierigen Blicken zu schützen vermögen, so liegt vor allem über der Bedeutung der Hopi-Sprache noch ein großer Schleier.

 

Hopi - Kunst und Kleidung

Die Kunst der Hopi umfaßt die ganze Palette von Keramik über Schmuck bis hin zu geflochtenen Körben und gewebten Decken. Die Hopi-Frauen sind vor allem verantwortlich für das Herstellen von Töpferwaren und Flechtarbeiten. Die dabei verwendeten Farben und symbolischen Formen sind traditionell von altersher überliefert und dürfen nicht verändert werden. Sie sind zurückzuführen auf ursprüngliche Symbole, die in der Schöpfungsgeschichte der Hopi eine große Rolle spielen (die Spirale, die Schildkröte als Symboltier des Kontinents, die Mutter Erde, der Regenbogen und die Regenwolken, Vater Himmel etc.). Somit sind diese Kunstgegenstände nicht nur schön anzusehende Gebrauchsgegenstände, sondern in sich immer wiederkehrende Erinnerungen an die Religion und die Wurzeln des eigenen Volkes.

Die Hopi-Männer weben, stellen Silberschmuck her und schnitzen die sog. Katchina-Figuren. Katchinas sind hilfreiche Geistwesen der Hopi, die ihnen in vielen Lebensbereichen beistehen und deren Verkörperung in den Puppen oft zu zeremoniellen Zwecken benutzt werden. Um den Kindern den Zugang zu diesen Geistwesen möglichst früh vertraut zu machen und sie in die vielschichtige Bedeutung der Katchinas einzuführen, werden ihnen schon von früh auf unterschiedlichste Katchina-Puppen geschenkt. Dabei handelt es sich nicht um ein Spielzeug, sondern um Initiationshilfen bei der spirituellen Erziehung der Kinder. Bei den Katchinas, die z.B. in Museen zu sehen sind, handelt es sich immer um fehlerhafte oder defekte Exemplare, die aus diesem Grund nicht zu spirituellen Zwecken zu gebrauchen sind.

Bei den Hopi sind die Männer für das Herstellen der Garne und damit auch der Gewebe zuständig, aus denen die traditionellen Kleidungsstücke in den Familien hergestellt werden. In frühen Zeiten wurde das Garn aus Fasern und Tierhaar mit den Fingern gesponnen, heutzutage wird zum großen Teil Baumwolle und Wolle benutzt. Das traditionelle Kleid der Frauen wird "Manta" genannt. Es ist ein rechteckiges Stück Stoff, das an der rechten Schulter an einem schwarzen Unterkleid befestigt wird und lose über den linken Arm geschwungen wird. Die Farbe der Kleidung wird bestimmt durch die Farben schwarz, rot und weiß, die symbolisch die Kräfte der Mutter Erde widerspiegeln.

Die Kleidung der Hopi-Männer war traditionell sehr einfach: ein schmaler Streifen von schön gemustertem Stoff wurde zwischen die Beine geführt und an der Taille durch einen Riemen gebunden, so daß an der Vorder- und Rückseite lange Stoffstücke herunterhingen. Der Oberkörper war frei, erst später entwickelten sich traditionelle Hemden mit schön gewobenen Mustern und Symbolen, die ebenso wie bei der Töpferei und Weberei auf traditionelle Formen zurückgeführt wurden. In der Kälte des Winters wurden schön gewebte Decken für Wärme und Schutz verwendet.

Bestimmte Einzelheiten und Details in der Kleidung geben Hinweise auf die Mitgliedschaft in einem bestimmten Clan oder in einer bestimmten Zeremonialgruppe.

Kleidungsstücke und Masken spielen im Rahmen der zeremoniellen Tänze und Festlichkeiten, die in der Hopi-Kultur einen großen Raum einnehmen, eine bedeutende Rolle. Damit wird im schamanistischen Sinne Kontakt hergestellt zu den verschiedenen Geistern und Wesenheiten, die in den einzelnen Zeremonien angerufen werden sollen.

Hopi - Landwirtschaft und Bodenkultur

Das Hauptnahrungsmittel der Hopi ist der Mais. Nach der mythologischen Überlieferung wurden beim Übergang in die vierte Welt den Menschen vom Großen Geist und der Spinnenfrau verschiedene Maissorten übergeben, die sich in Farbe und Größe sehr stark voneinander unterschieden. Die Hopi waren als letztes an der Reihe, um ihre Nahrung für diese Welt auszuwählen. Sie wählten die kleinste Maissorte von der Farbe blau. Darauf sagte Massau: "Ihr habt mir durch diese Wahl gezeigt, daß ihr weise und demütig seid. Deswegen werdet ihr Hopi genannt und ich werde alles Land und Leben in eure Obhut geben, damit ihr es bewacht, beschützt und bewahrt, bis die letzten Tage der Rückkehr kommen."
 

Somit war der Mais für das Volk der Hopi eine immerwährende spirituelle Erinnerung an diesen Platz und ihre Aufgabe in dieser Welt. Nur so kann man verstehen, daß die Hopi seit Hunderten von Jahren unbeirrt in einem Siedlungsgebiet leben, das für alle anderen Menschen als komplett unfruchtbar galt, und zwar aufgrund seiner schlechten klimatischen Bedingungen (niedriger Niederschlag, trockene Winde, große Temperaturschwankungen, heißes sommerliches Ödlandklima etc.). Die Hopi entwickelten aus ihrem tiefen inneren Glauben heraus motiviert eine spezielle Bearbeitungsmethode, die "Trockenbewirtschaftung" genannt wird. Mais und Bohnenfelder werden vor allem am Fuße der Mesas angelegt, damit die Wurzeln der Pflanzen dort möglichst optimal das rare Grundwasser erreichen können. Die Familien besitzen viele kleine Felder an unterschiedlichen Positionen, um sicherzustellen, daß mindestens ein Feld genügend Ernte zum Überleben bringt. Traditionsgemäß pflügen die Hopi ihre Felder nicht, um der Mutter Erde möglichst wenig Verletzungen zuzufügen. Zwischen den Pflanzungen in ihren Feldern wachsen Reihen von natürlicher Vegetation, um für eine Ausgewogenheit des Bodens zu sorgen und um die "Maispflanzen" von ihren anderen "Pflanzen-Schwestern und -Brüdern" nicht zu sehr zu trennen. Der Samen des Maises wird mittels langer Grabstöcke in die Erde versenkt, um auch hier den Boden möglichst zu schonen und den Samen in der Tiefe der Feuchtigkeit zuzuführen.

Das demütige Ausharren in dieser kargen Ödlandschaft und dem täglichen existenziellen Kampf für die Nahrung findet seine Erklärung nur in dem tiefen religiösen Verwurzeltsein und in dem Vertrauen der Hopi in ihr heiliges Land, die Mutter Erde und in ihren helfenden Schöpfergeist Massau. Als Repräsentantin der ernährenden und schützenden Energie des Maises wird bei den Hopi die Maismutter verehrt, die schon sehr früh als "Spielzeugpuppe" in das Leben des heranwachsenden Kleinkindes eingeführt wird.

 

 
 © Andreas Kuhn 2003 kostenlose Statistik  

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