Die Indianer Nordamerikas
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Hokahey heisst Fahre fort, da ist noch mehr.
(literarisch Übersetzt)
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Sie sind alle Indianer
Fällt der Begriff "Indianer", taucht vor dem geistigen Auge vieler Menschen die "edle Rothaut" mit Adlerfedern im Haar auf, die auf ihrem Mustang endlose Prärien durchstreift. Dieses im 18. Jh. entstandene Klischee ist ebenso romantisch wie falsch und wird den nordamerikanischen Ureinwohnern auf keinen Fall gerecht. Schon der Name "Indianer" ist irreführend, beruht er doch auf dem Irrtum des Kolumbus', in Indien gelandet zu sein. Die eigentlichen "Entdecker" Nordamerikas, die indianischen Völker, die in über hundert verschiedenen Stammesstrukturen, noch mehr verschiedenen Sprachen und Kulturformen in einem riesigen Siedlungsgebiet lebten, nannten sich in ihrer Gesamtheit selbst "Menschenwesen", "Menschen" oder "Verbündete" - außer dem Wort "Mensch" wurde keine weitere Gemeinsamkeit gebraucht. Auch die im 18. und 19. Jh. aufgekommenen Bezeichnungen wie Sioux, Cheyenne oder Comanche sind entweder von Weißen geprägte oder von Nachbarstämmen Bezeichnungen, die dem im Eigennamen des Stammes enthaltenen Selbstverständnis nicht gerecht wurden. Von der weißen Warte betrachtet blieben z.B. die Sioux, die man ohne zu differenzieren als Indianer bezeichnen und, traditionellen Vorurteilen folgend, in ihrem Menschsein anzweifeln konnte, denn es war einfacher sie zu bekriegen, zu vertreiben, auszurotten und zu betrügen, wenn man ihnen menschliche Attribute absprach. Dieses Vorgehen gegen die Völker Nordamerikas begann mir der Kolonisierung durch die Europäer, zog eine blutige Spur durch die Jahrhunderte, und erst in unserer Zeit gibt es Versuche, dem Identitätsanspruch dieser Menschen gerecht zu werden.
Als sich herausstellte, dass die Eingeborenen keine Ostinder waren, begannen die ersten Spekulationen über die Herkunft der Menschen Nordamerikas. Da sie in der Bibel nicht vorkamen, wurde ihr Menschsein sogar eine Zeitlang geleugnet. Erst 1512 erklärte Papst Julius II. öffentlich, dass die "Indianer" der Neuen Welt echte Abkömmlinge Adams und Evas seien und somit aus dem Garten Eden gekommen sein müssten. Entsprechend bezeichne eine der ältesten Theorien sie als die Nachkommen der "Zehn verlorenen Stämme Israels".
Der Jesuit José de Acosta kam im Jahre 1590, 150 Jahre vor Entdeckung der Beringstrasse, der Antwort auf die Frage nach der Herkunft der amerikanischen Urbevölkerung erstaunlich nahe: "Es ist nicht wahrscheinlich, dass es eine zweite Arche Noah gegeben hat, mit der die Menschen nach Ostindien geschafft worden sind, oder gar einen Engel, der die ersten Menschen in diese neue Welt getragen hat. [...] Ich komme also zu dem Schluss, dass die ersten Menschen in diese neue Welt vielmehr auf Grund von Schiffbruch und schlechtem stürmischem Wetter nach Amerika gekommen sind." Da ein Schiffbruch jedoch das Vorhandensein von Tieren in der Neuen Welt nicht erklärte, schloss Acosta, dass es im Norden ein Stück Amerika geben müsse, "das nicht gänzlich getrennt und abgeschnitten war, über das die Tiere gezogen sind."
Der Engländer Edward Brerewood ging im 17. Jh. davon aus, dass die Indianer "wenig Interesse für die Artes, die Wissenschaft oder Kultur Europas, ebenso wenig wie für diejenigen Chinas und des zivilisierten Asiens" zeigten, und der Farbe wegen konnten sie keine Nachkommen von Afrikanern sein. Übrig blieben nur noch die "Tataren", mit dem die Bewohner Nord- und Zentralasiens bezeichnet wurden. Bei ihnen glaubte Brerewood kulturelle Parallelen zu Amerika gefunden zu haben. Er vermutete eine Landverbindung und verlegte sie "in jenen nordöstlichen Teil Asiens, wo die Tataren wohnen". Zwar irrte er, als er die indianische mit der tatarischen Kultur gleichsetzte, doch erwiesen sich Teile seiner Schlussfolgerungen als richtig. 200 Jahre später wies Alexander von Humboldt auf eine "auffallende Ähnlichkeit zwischen Amerikanern und der mongolischen Rasse" hin. Die moderne Wissenschaft hat seine Ansicht bestätigt: Heute steht eine enge genetische Verwandtschaft zwischen Indianern und den Völkern Nordostasiens fest.
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