Die Schlacht am Little Big Horn
Die Vorgeschichte
Die beginnende
Besiedlung der Plains, der Bau der transkontinentalen Eisenbahnen (Pacific
Railroad 1862, 1864, 1868) und die Errichtung neuer militärischer Stützpunkte
wird von den in den Plains noch frei lebenden Dakota mit dem sogenannten
Red-Cloud-Krieg beantwortet, der 1868 mit dem Vertrag von Laramie endet.
Den nördlichen Plainsindianern wird ein Reservationsgebiet zugesprochen, das dem westlich des Missouri gelegenen Territorium des heutigen Staates South Dakota entspricht. Das angrenzende Gebiet bis zu den Bighorn Mountains, insbesondere das Powder River Basin, wird den Indianern zusätzlich als Jagdgebiet zugestanden. In beiden Gebieten sollen weder neue Forts angelegt noch Weiße siedeln dürfen.
Der Oglala-Häuptling Red Cloud hält sich an den Vertrag und geht mit seinem Volk in die Reservation.

Red Cloud
(1822-1909)
»Die Regierung der Vereinigten Staaten wünscht Frieden, und hiermit ist ihre Ehre zum Pfand gesetzt, ihn zu halten.« (Auszug aus dem Vertrag von Laramie 1868)
1874:
Unter Missachtung des Laramie-Vertrages dringt eine Regierungsexpedition in die
Black Hills, die heiligen Berge der Plainsindianer, ein. Leiter der Expedition
ist Lt. Col. G. A. Custer.
Ende Juli wird von den die Expedition begleitenden Prospektoren Gold gefunden.
1875:
Tausende Goldsucher strömen in die Black Hills. Verhandlungen mit einigen Häuptlingen,
darunter auch Red Cloud, über einen Verkauf der Black Hills scheitern; die
Indianer weigern sich, zu verkaufen.
Dezember
1875:
Erlass einer Verordnung des Innenministeriums, dass sich alle Indianer bis zum
31. Januar 1876 in ihren Reservationen einzufinden hätten. Wer dieser
Aufforderung nicht nachkommt, wird »als feindlich betrachtet und von den militärischen
Einheiten dementsprechend behandelt«. Die Forderung erreicht manchen Stamm viel
zu spät und andere überhaupt nicht, denn der Winter hat sehr zeitig
eingesetzt, ist ungewöhnlich hart, lang und schneereich.

General George Crook
(1829-1890)
1.
März 1876:
Aufbruch General George Crooks zu einer Strafexpedition gegen die nördlichen
Plainsindianer.
17.
März 1876:
General Crook wird am Powder-River von den Cheyenne des Häuptlings Two Moon bei
grimmiger Kälte zurückgeschlagen.
Juni
1876:
Besser vorbereitet, bei günstigerem Wetter, wird der Feldzug im Juni wieder
aufgenommen und gleichzeitig aus drei Richtungen gegen die Indianer vorgerückt:
General Crooks Truppen, neu ausgerüstet, aus Süden von Fort Fetterman, Colonel
Gibbon aus Westen von Fort Ellis und General Terry mit Lt. Col. Custer aus Osten
von Fort Lincoln.
17.
Juni 1876:
General Crook entgeht am Rosebud-River im Kampf gegen die Oglalas unter Crazy
Horse nur knapp einer vernichtenden Niederlage. Die Verluste bewegen Crook, sich
zurückzuziehen.
Inzwischen haben sich die beiden anderen Armee-Einheiten im Operationsgebiet eingefunden. Der Dampfer »Far West«, an der Mündung des Rosebud- in den Yellowstone-River ankernd, dient als Hauptquartier.
Am 22. Juni 1876, 12 Uhr mittags verabschiedet sich von hier Lt. Col. George Armstrong Custer mit seinem 7. Regiment in Richtung Little Bighorn River ...
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Durch den Dampfer »Far West« werden die amerikanischen Truppen versorgt, auf ihm findet die militärische Planung statt, er transportiert die Verwundeten nach dem Kampf. |
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Die Scouts
Ein wesentlicher Vorteil der Indianer in ihrem Kampf gegen die weißen
Eindringlinge ist die genaue Kenntnis ihres Landes. Um diesen Vorteil
auszugleichen, einen Feldzug in den unendlichen Weiten der Plains, aber auch in
anderen Gegenden, erfolgreich zu bestehen, setzt die Armee Scouts, Kundschafter,
ein. Einige werden zur Legende: Buffalo Bill, Jim Bridger oder Kit Carson.
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»California Joe« Milner kämpft schon im Bürgerkrieg unter Custer und bringt es bis zum »Obersten Späher«. |
Von George Armstrong Custer stammt die Devise, im Krieg mit den Plainsindianern »den Teufel mit dem Feuer zu bekämpfen«, d. h. Indianer gegen Indianer einzusetzen. Sie kennen das Terrain am besten, jeden Hügel, jede Schlucht, jeden Wasserlauf, jede Furt und sie wissen auch am besten über die Eigenarten der indianischen Gegner Bescheid.
Aufgabe der Scouts ist es, den Feind aufzuspüren, sein Lager zu erkunden und, wenn es zum Kampf kommt, die gegnerischen Pferde zum Durchgehen zu bringen.
Bei der Rekrutierung der Scouts nutzt die Armee die Feindschaft einzelner Stämme untereinander. Im Krieg gegen die Dakota sind vor allem Arikara- und Crow-Scouts im Einsatz. Arikara und Crow werden immer wieder von ihren mächtigen Nachbarn, den Dakota, überfallen und können jetzt die Gelegenheit wahrnehmen, sich an ihren Blutsfeinden zu rächen.
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Custer mit einigen Scouts während seiner Black Hills Expedition 1874. Bloody Knife (Arikara, links kniend) kämpft und fällt 1876 an der Seite von Reno; Goose (Arikara, stehend) wird verwundet. |
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Als das 7. Kavallerieregiment unter Lt. Col. G. A. Custer am 22. Juni 1878 am rechten Ufer des Rosebud-River in Richtung Little Bighorn-Tal hinaufzieht, reiten vor ihm ca. vierzig Scouts; hauptsächlich Arikara und Crow. Aber auch einige weiße und Halbblut-Kundschafter befinden sich bei der Truppe.
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White-man-runs-Him, einer der überlebenden Crow-Scouts. |
Im Dämmerlicht des Morgens des 25. Juni erspähen die Scouts in ca. 15 Meilen Entfernung den Rauch von zahlreichen Tipis und eine riesige Ponyherde, wohl 18.000 und mehr Pferde. Sie sind sich einig, nie eine so große Herde gesehen zu haben. Custer zweifelt die Angaben seiner Kundschafter an, was den Halblutscout Mitch Bouyer zu der Bemerkung hinreißen lässt: »Wenn Sie nicht mehr Indianer in diesem Tal finden, als Sie je gesehen haben, können Sie mich hängen lassen.«
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Minton - »Mitch« - Bouyer, Halbblut-Scout in Custers Abteilung, schickt die ihn begleitenden Kundschafter (Curly, Goes-Ahead, Hairy Mocassin und White-man-runs-Him) zurück und geht mit Custer in den Tod. |
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Custer missachtet alle Warnungen seiner Scouts und marschiert in den Untergang: »Das größte Indianerlager, das es je auf dem nordamerikanischen Kontinent gab, haben wir vor uns, und ich werde es angreifen.«
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»Curly« - als 17-jähriger Crow-Scout unter Custer - wird von Mitch Bouyer vor dem Kampf zurückgeschickt, überlebt dadurch und überbringt als Erster die Nachricht der Niederlage zur »Far West« |
Am Mittag des 25. Juni 1876 rückt Lt. Col. Custer - unter Missachtung anderslautender Befehle - gegen das von 1.500 bis 2.500 Kriegern verteidigte Indianerdorf vor. Sein Regiment hat er in drei Teile zersplittert. Captain Benteen schickt er mit 125 Soldaten als Stoßtrupp nach Westen, Major Reno soll mit 140 Mann den Fluss überqueren und das Dorf vom Süden angreifen. Reno stößt auf massive Gegenwehr, wird zurückgetrieben und entkommt nur mit knapper Not über den Fluss. Dort wird er später durch Benteen verstärkt.
Custer stößt mit den verbliebenen ca. 215 Mann rechts vom Fluss nach Norden vor, bis er auf die von Gall und Crazy Horse geführten Krieger trifft ...
Das Ende indianischer Freiheit
Die Schlacht am Little Bighorn River ist die schwerste Niederlage, die die
US-Armee während der Indianerkriege erlitt, aber sie besiegelt auch das
Schicksal der Indianer in den Plains. Regierung und Militär betrachten es jetzt
erst recht als ihre Aufgabe, den Widerstand der Indianer ein für allemal zu
brechen. Der Kongress verabschiedet ein Gesetz, nach dem die Dakota auf das Land
am Powder River und auf die Black Hills zu verzichten haben. Neue
Eisenbahnstrecken werden durch den Westen gelegt, Ansiedlungen schießen wie
Pilze aus dem Boden. Unter dem Motto »Rache für Custer« geht die Armee mit
unvorstellbarer Grausamkeit gegen die Indianer vor.
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Zeitungsausschnitt zur Schlacht am Little Big Horn
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Crazy Horse zieht sich mit seinen Leuten in Richtung der Bighorn Mountains zurück, während Sitting Bull und Gall nach Kanada ausweichen. Andere Gruppen versuchen, die Indianer-Agenturen zu erreichen. Der Oglala-Häuptling American Horse, mit vierzig Familien unterwegs, wird am 8. August 1876 bei Slim Buttes von General Crook gestellt und mit seinen Kriegern, Frauen und Kindern hingemetzelt.
Im Mai 1877 ergibt sich Crazy Horse mit seinen Anhängern General Miles. Er wird in Camp Robinson interniert und dort am 5. September 1877 ermordet.
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Indianische Darstellung der Ermordung von Crazy Horse. |
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| Crazy Horse | General George Armstrong Custer | Chief Sitting Bull |
Archäologie korrigiert das Geschichtsbild
Der Mythos von Custers heroischem letzten Kampf (Custers Last Stand) wird wie
kaum ein zweites Ereignis der amerikanischen Geschichte am Leben erhalten. Es
existieren mehr als 900 Illustrationen zur Schlacht, unzählige Spielfilme
entstehen und Nachstellungen der Schlacht werden bis in die heutige Zeit vor Ort
aufgeführt.
Patty Frank stellt in seinem Buch »Die Indianerschlacht am Little Bighorn« diesen Mythos in Frage. Doch nach wie vor bleiben viele Fragen offen: Was geschah wirklich am Little Bighorn? Was tat Custer, nachdem er Reno verlassen hatte? Was war seine Strategie? Neueste archäologische Untersuchungen finden teilweise Antwort auf diese Fragen.
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Taktische Skizze zum Ablauf der Schlacht am Little Bighorn River. (Klick
zum Vergrössern) |
Den Schlüssel zu einer neuen Interpretation findet man auf dem Schlachtfeld selbst, wo bis Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts noch niemand systematische Untersuchungen unternommen hatte. Die Berichte indianischer Augenzeugen sind bis dahin die einzigen Quellen.
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