Zeremonielle - und Gebrauchsgegenstände
Behälter: Sesshafte Indianerstämme, die in waldreichen Regionen
wohnten, fertigten als Aufbewahrungsbehälter Holzkisten. Die Bewohner der
Atlantikküste machten Kisten aus Birkenrinde, die der pazifischen Nordwestküste
solche aus Zedernholz. Die Plains-Indianer verwendeten Behälter aus Tierhäuten,
die sie Parfleche nannten, eine Falttasche aus ungegerbten Büffelleder, farbig
bemalt; u.a. zur Aufbewahrung von Pemmican. Die Indianer Kaliforniens
stellten runde Holzbehälter für die Bewahrung von Federn her. Die Pueblovölker
hatten Behalter aus sonnengebranntem Ton und Korbflechtwerk.
Decken (engl.: blanket), Indianerdecken wurden aus Schafwolle, aber auch
aus Wollhaaren des Bisons und anderer Tiere gewebt. Indianer gebrauchten sie als
Bett, Überzug, Türvorhang, Unterteilung, Sonnenschutz, Satteldecke,
Tragbeutel, Vorratsbehälter, Kindertrage, Mantelumhang; zusammengerollte als
Sitzbank, Kopfkissen, Sargbehälter, Tragbahre, Schleppbahre, Segel für Kanus
etc. Viele Decken enthielten Mustersymbole und Ornamente, die eingewebt, aber
auch manchmal aufgemalt sein konnten. 1831 wurde in Buffalo, New York, eine
Deckenfabrik eröffnet, die die im Westen berühmten Mackinaw-Decken
herstellten, die als begehrteste Tauschhandelsobjekte der späten Pelzära
galten. Indianer, die sich in Reservationen gegen Kleidung sträubten, nannte
man "Blanket-Indianer" (Decken-Indianer). Bekannt wurden vor allem die
Decken der Navahos.
Kajak, das einsitzige Jagdboot der Eskimomänner (im Unterschied zum größeren
Reise- oder Frauenboot Umiak): U-förmige Spanten aus Holz oder Walrippen, mit
Seehundshäuten überzogen, durch Doppelruder fortbewegt. Die Bootsöffnung, in
der der Ruderer sitzt, ist so eng, daß sie vollkommen von ihm ausgefüllt wird;
da seine Pelzjacke an der Öffnung festgeschnürt ist, kann auch bei starker See
kein Wasser in das Boot gelangen.
Kanu, das Birkenrinden-Kanu war hauptsächlich unter den nordöstlichen
Stämmen verbreitet. In Waldregionen mit großstämmigen Bäumen wurde der
Einbaum verwendet, in den Plains-Regionen mit geringem Waldwuchs das sogenannte
Bull-Boot, ein waschschüsselartiges Gefährt, das aus Weidengeflecht und darüber
gezogenen Häuten bestand.
Metate (abgeleitet vom span. Wort für Hand), indianische Steinmühle für
Mais. Das Unterteil besteht aus einem flachen Stein mit einer kleinen kreisförmigen
Mulde, in die die Fruchtkörner gelegt wurden. Mit einem kleineren
"Handstein" (ebenfalls flach und rund) wurden die Körner in einer
kreisenden reibenden Bewegung allmählich zu Mehl zermahlen.
Medizinbeutel (-bündel) mit magischen Kräften behaftete Gegenstände
(Pfeifen, Vogelbälge u.a), die der einzelne im Krieg oder auf der Jagd zu
seiner Unterstützung in einem Lederbeutel bei sich trägt.
Pfeife
Die weitverbreitete Sitte unter allen nordamerikanischen Indianern war
zweifellos das Pfeiferauchen. Die Pfeife selbst sah man als eine Art intimes
Kommunikationsgerät mit der Welt der Geister an, den ausgeatmeten Rauch als
sichtbar werdendes Gebet. Die Pfeife diente mannigfaltigen Zwecken, vor allem
als "geheiligte Pfeife" (Calumet). Bei Vertragsabschlüssen,
Friedensverträgen und Kriegserklärungen begannen und endeten Gespräche mit
ihrem Gebrauch, was ihr - irrtümlich - bei den Weißen die Bezeichnung
"Friedenspfeife" einbrachte. Ein solches Calumet mit roten
Federn verziert, bedeutete Krieg, mit weißen Federn Frieden. Die Pfeife leitete
aber auch persönliche Kommunikation ein. "Pfeiferauchen leitet alle
Angelegenheiten von Bedeutung ein", schrieb der Pelzjäger Alexander
Ross, "und bevor das Pfeiferauchen nicht beendet ist, kann man kein
Geschäftsgespräch führen". Pfeifen dienten als
"Passierscheine", als Legitimationen und Empfehlungen.
Zeremoniepfeifen wurden nur zu diesen Zwecken mit speziellen Tabakmischungen
verwendet. Ihre Formen und Verzierungen hatten bestimmte Bedeutungen. Sie
leiteten aber auch persönlich-intime Versöhnungen und Schlichtungen ein. Wenn
z.B. ein Krieger mit der Frau eines anderen 'durchbrannte', so verlangte es die
Sitte, daß er einen alten Mann mit seiner Pfeife zum Ehemann der 'Entlaufenen'
schickte. Rauchte der Ehemann die Pfeife, so bedeutete dies, daß er an den
Liebenden keine Rache nehmen würde.
Gewöhnliche Pfeifen dienten dem täglichen Tabakgenuss, wobei allerdings eine
einfachere Tabakmischung benutzt wurde. In vielen Stämmen war solches alltägliches
Pfeiferauchen nur älteren Männern von Rang erlaubt, und jüngere Krieger
wurden gewarnt, daß ihnen Rauchen 'den Atem nehmen würde', den sie in
der Schlacht so nötig brauchten. Die Sitte des Tabakrauchens scheint von den Acker
bauernden Stämmen des Mittelwestens ausgegangen zu sein und sich von hier aus
über den ganzen Kontinent verbreitet zu haben. Die Pfeifenköpfe der
Zeremonienpfeifen wurden vorzugsweise aus Catlinit hergestellt, einem roten
Mineral, das, wenn man es aus dem Boden grub, sehr weich war und an der Luft
allmählich aushärtete, so dass es ideal zu bearbeiten war. Catlinit, der nur
in Minnesota, im Gebiet der Sioux gefunden wurde, war deshalb ein teuer
bezahltes Handelsobjekt. Man verwendete aber auch Steatit, dessen Oberfläche
man mit Bisontalg behandelte. Die Pfeifenschäfte waren von verschiedener Länge;
die längsten fand man bei Zeremonienpfeifen, mittellange bei "Passport"-Pfeifen,
die kürzesten bei Alltagsgebrauchspfeifen. Während der Kolonialperiode führten
die Europäer zahlreiche Pfeifen aus Metall und Ton (Kölner Pfeifen) ein.
Rasseln (engl.: Rattles), Geräuschinstrumente mannigfaltigster Art. Man
unterscheidet Rasseln, bei denen Geräusche innerhalb eines verschlossenen Behälters
erzeugt werden, und solche, bei denen Geräusche durch Berührung verschiedener
Objekte zustande kommen. Behälter-Rasseln bestanden aus:
1. Keulenartigen Korbgeflechten, in denen sich Muscheln befinden,
2. Rohhaut-Behälter mit Nußschalen, Muscheln, Maiskernen etc.
3. Ausgehöhlte Holzbehälter in Tierformen,
4. Zusammengebundene Schildkrötenpanzer etc.
Dann gab es Rasseln aus aneinandergebundenen verschnitzten Holzstücken,
Knochen, Hornstücken, Stücken, an denen die verschiedensten, rasselnden
Objekte befestigt waren, Lederbändern mit eingeflochtenen Zähnen, Steinen,
Muscheln etc., aus waschbrettartigen Hallbrettern, an denen Gegenstände
gerieben wurden. Zahllos sind die verschiedensten Arten solcher Rasseln, die
auch an Fuss- und Handgelenken, an Armen, Beinen, Körper, Hals und Kopf gerne
getragen wurden.
Toboggan, Landtransportmittel der subarktischen Jäger; einfaches, vorne
hochgebogenes und zusammengebundenes Bretterpaar, von Hunden und vom Menschen
gezogen; geeignet vor allem für tiefen und lockeren Schnee.
Travois (Schleifbahre, Schleppbahre), die aus zwei kräftigen langen
Holzstangen besteht, welche entwerder seitlich am Leib eines Packpferdes (früher
Hunde) angebracht wurden, oder, indem man bei einem gesattelten Reitpferd die
Stangenspitzen über dem Pferdehals überkreuz mit Rohhaut so zusammenband, dass
sie beiderseits des Sattelhorns nur locker angebunden zu werden brauchten. Mit
Distanzpflöcken und Bisonrohhautstreifen ergab sich eine Trag- oder Packfläche
von etwa 1,60 x 0,80 m. Solche Travois wurden von Frauen hergestellt und sie
waren auch ihr Eigentum.
Wampum (von Algonkin wampompeag: weiße Schnüre), polierte und in
Zylinderform geschliffene Muschelperlen, die von den nordamerikanischen
Indianern traditionell als Tauschmittel benutzt bzw. als Schmuck und Zeichen von
Rang und Würde getragen wurden. Die Perlen wurden auf Schnüre aus Hanf gezogen
oder in Gürtel hineingewoben. Zu Handelszwecken wurden die Perlen einzeln
getauscht, seit dem 18. Jahrhundert auch mit weißen Händlern. Wampum-Gürtel
wurden auch benutzt, um Geschäfte zwischen verschiedenen Indianergruppen zu
besiegeln und zu dokumentieren: Botschaften erhielten offizielle Geltung, wenn
ein Gürtel überreicht wurde, in den eine symbolische Darstellung der Nachricht
oder des Vertrags hineingewebt war.
Wiegentrage (engl. Crade board), brettartiges, tragbares Wiegenbrett für
Säuglinge, die auf dem Rücken getragen, ans Pferd gehängt, im Zelt an eine
Stange gehängt, oder einfach aufrecht stehend irgendwo angelehnt werden konnte.
Sie hatte die Form einer festen Tasche, die nur Kopf und arme des Babies frei
liess und im Rückenteil den Kopf gepolstert überragte. Je nach Stamm bestanden
Wiegentragen aus verschiedenartigem Material und hatten verschiedenartige
Formen. Wiegentragen wurden in einer Familie bewahr, immer wieder verwendet und
bei manchen Stämmen galten sie als heilig. Sie waren mit Federdaunen, Moos,
weichen Tierhäuten, Zedernrindengries oder Baumwolle gefüttert. Häufig
schnitze man - je nach Zahl der Babies, die in ihr getragen wurden - Kerben
hinein. Gewöhnlich blieb ein Baby, etwa ein Jahr lang in der Wiege. Starb ein
Baby, so wurde die Wiegentrage gewöhnlich mit ihm bestattet.
Kleidung
Breechcloth (dt. etwa: Lendenschurz), auch Breech-Clout, langes schmales
Tuch (auch aus weichem Büffelkalbsleder), das zwischen den Beinen durchgezogen
und - vorne und hinten - am Körper über den Leibgurt geschlagen wurde, so dass
lange Tuchlappen vom solcherart verdeckten Gürtel herabhingen. Sie wurden
entweder allein, oder mit Leggings getragen.
Leggings, Mokassins mit verstärkten Büffelhautsohlen, deren Schäfte
bis zu den Hüften reichten und dort mit einem Gürtel zusammengebunden wurden.
Mokassin, indianische Fussbekleidung als Hirsch- oder Büffelkalbleder
Ihre höchste Entwicklungsstufe fand der Mokassin im Mackenzie-Becken und im
Waldland des amerikanischen Ostens. Die Waldindianer trugen Mokassin mit weichen
Sohlen, die der Prärien solche mit harten Büffelledersohlen. Die Indianer von
Texas und der Nordwestküste gingen meistens barfuss, ebenso verschmähten es
viele Frauen, Fußbekleidung zu tragen. Mokassin konnten Schuhe mit sehr kurzen
Schäften sein, aber auch Stiefeln (Apachen) mit hohen Schäften, und auch
Leggings genäht sein. Das Aussehen war von Stamm zu Stamm unterschiedlich, eben
so die Verzierungen mit Perlen, Borsten, Klauen, Zähnen etc. Manchmal hatten
die Verzierungsmuster symbolische Bedeutung, manchmal wiesen sie auf den Rang
des Trägers hin, manchmal erfüllten sie rein zeremonielle Aufgaben.
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