Der Geistertanz
Um
zu verstehen, was es mit der sogenannten » Geistertanz-Bewegung « unter den
Indianern auf sich hatte, muß man zunächst die Ursache kennen, die diese
Bewegung hervorrief.
Es ist schwer, sich eine Vorstellung von der Not der Indianer während der
ersten schweren Krise der Anpassung an ihr neues Leben zu machen. Innerhalb
einer Generation spielten sich bei den Stämmen der großen Ebenen Veränderungen
ab, wie sie in der Welt der Weißen sich in Jahrhunderten vollzogen: die Veränderung
vom primitiven zum zivilisierten Menschen. Auch begriff wohl der Weiße Mann
beim Hinschlachten der Büffel kaum, was die Ausrottung des Tieres für die Völker
der Prärie bedeutete, daß sie um ihre Lebensgrundlage gebracht wurden.
Nahrung, Kleidung, ja selbst die Wohnung hing ab vom Büffel, da die Zelte der
Präriestämme aus tragbaren Gestängen und Bahnen aus Büffelleder bestanden.
Mit dem Einbruch des Weißen Mannes in die Ebenen, mit dem Bau der Eisenbahn,
sah der Indianer seinen Untergang zwangsläufig kommen. Alle Anstrengungen der
Ureinwohner, sich gegen den Strom von Siedlern anzustemmen, der sich über ihr
Territorium ergoß, war letztlich aussichtslos. Die Eisenbahn brachte noch mehr
Weiße, der Büffel verschwand und mit ihm der alte traditionelle Lebensstil der
Indianer, die einzige Art zu leben, die ihnen vertraut war.
Die Veränderung war rasch und grausam. Die Erde ist unsere Mutter, hatten die
Indianer erklärt. Aber längst nicht mehr war der Indianer das freie Kind der
Prärie. Er war eingepfercht in Reservationen, lebte von Almosen oder wurde in
Gegenden mit einem mörderischen Klime verschleppt, bedroht von Seuchen, verstört
von den Veränderungen, gebrochen an Geist und Seele, bieten die Indianer der
Ebenen dem nüchtern urteilenden Beobachter ein tragisches Bild. Ihr Schicksal
schien endgültig besiegelt.
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"They
swore that this Messiah came to them in visions sleep |
"Sie
glaubten fest, es wäre ihr Messias, der im Schlaf zu ihnen kam |
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Auszüge
aus W.H. Prathers: "1. Kompanie,
9. Kavallerie" |
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Im
Jahre 1888 erreichte die besiegten, verzweifelten Stämme im Westen plötzlich
eine Botschaft, die ein neues Leben und Befreiung von der Unterdrückung in den
Reservationen verhieß. Von Nevada aus verbreitete sich die neue, friedliche
Religion, gepredigt von Wovoka, einem Paiute, der wirksame Medizin und
Botschaften aus der übernatürlichen Welt hatte, wie ein Lauffeuer bei den Prärie-Stämmen.
Wovoka lehrte seine Anhänger besondere Gebete, Tänze und Lieder, mit denen die
Welt der Indianer wiederauferstehen sollte - die Bisonherden und die Zeiten, als
ihre Vorfahren noch am Leben und die indianischen Nationen frei waren.
"Als die Sonne starb," erklärte Wovoka, der Prophet der Nördlichen
Paiute, "stieg ich in den Himmel und sah Gott und alle Menschen, die vor
langer Zeit gestorben waren. Gott sagte mir, ich müßte zurückkommen und
meinen Leuten sagen, daß sie gut sein und sich lieben sollen, aber nicht kämpfen,
stehlen oder lügen. Und dann gab er mir diesen Tanz, den ich meinem Volk
weitergeben sollte."
Die Indianer waren aufgerufen, sich dieser Veränderung würdig zu erweisen.
Wovoka lehrte auch, die Indianer sollten ehrlich und fleißig sein, ruhig ihre
Arbeit tun und in Frieden mit den Weißen leben. Gott allein werde die Veränderung
herbeiführen und Erdbeben würden sie anzeigen. Bald werde es geschehen,
vielleicht schon im nächsten Frühjahr. Das Wort sprang von Stamm zu Stamm.
Abordnungen der verschiedenen Stämme wurden zu dem Propheten ausgeschickt und
kamen überzeugt zurück.
Viele
wurden von dem neuen Glauben durch die Verheißung angezogen, daß jene, die den
heiligen Tanz mittanzen, in Trance fielen, in die Geisterwelt eingingen und dort
ihre toten Angehörigen wiedersahen. Jeder, der etwas über das Bewußtsein der
Prärieindianer weiß, begreift, daß solche Vorstellungen ihnen aus ihrer
Tradition vertraut waren.
Die Tänzer bewegten sich im Kreis, klatschten in die Hände. In schleppendem
Schritt bewegten sie sich zu den Liedern des Geistertanzes. Unendlich lange ging
man im Kreis, manchmal fiel jemand vor Erschöpfung und Schwindel bewußtlos in
die Mitte und blieb wie "tot" liegen. Nach einiger Zeit lagen ziemlich
viele so da. Jetzt waren sie "tot" und sahen ihre Vorfahren. Nach
seinem Erwachen beschrieb der "Träumer" seine Vision von der
Geisterwelt. Dann drückte er seine individuelle Erfahrung in einem spontanen
Lied aus, das später auch bei Tänzen gesungen wurde. Einige trugen besondere
Hemden, von denen sie glaubten, sie würden die Kugeln der Soldaten abwehren.
Die Weißen nannten die neue Religion Geistertanz und beobachteten ihren
Eroberungszug mit Angst und Mißfallen. Doch die Indianer zogen in die Badlands
und an andere Orte, wo sie den Weißen aus dem Weg gehen konnten. Als der
Geistertanz von immer mehr Stämmen aufgegriffen wurde, gerieten die Weißen im
Westen in Panik. Sie glaubten, die Indianer würden einen Kriegstanz aufführen
und einen Aufstand aller Nationen vorbereiten. Die Regierung, die auf die
Ausbildung und Integration der Stämme hinarbeitete, wollte den Tänzern ein
Ende setzen, glaubte aber, daß sie zuerst die indianischen Anführer isolieren
müsse. Jene, die die Indianer kannten, rieten umsonst: "Dies ist eine
religiöse Bewegung, wenn man sie nicht bekämpft, wird sie vorbeigehen."
Die Geistertanz-Bewegung endete mit dem Massaker von Wounded Knee in South
Dakota.
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